Besuch des Engelsdenkmals in Wuppertal
Ich habe einen neuen Job (hier 3 LinkedIn-Trottelraketen-Emojis einfügen): Ich bin jetzt Sonderbeauftragter für deutsch-chinesische Beziehungen. Und das kam so.
Ich habe mir in Wuppertal die Engels-Statue angeschaut, die von der chinesischen Regierung anlässlich des 190. Geburtstages des Wuppertaler Fabrikantensohnes & Revolutionärs gestiftet wurde. Die 3,85 Meter hohe Bronze-Skulptur ist ein Werk des Präsidenten des Chinesischen Instituts für Bildhauerkunst Professor Zen Chengchan persönlich.
In die Bodenplatte ist ein Zitat aus Engels philosophischer Schrift "Dialektik der Natur" eingraviert: "Die Arbeit ist die Quelle alles Reichthums, sagen die politischen Oekonomen. Sie ist dies – neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichthum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, dass wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen."
Auf einer Bank vor dem Denkmal saßen 3 Hobos, die der Kapitalismus dorthin ausgespuckt hatte, und tranken zügellos Dosenbier, um die Aktualität von Engels Ideen zu untermauern. Ein vierter Hobo tanzte unter einer vertrockneten Klimakrisenkastanie zu 70er-Rock.
Aus der Ferne näherte sich eine Gruppe junger chinesischer Reisender. Viele von ihnen trugen Sonnenschirme. Sie hatten eine bessere technische Ausstattung als eine CNN-Whitehouse-Reporter-Unit.
Die jungen Chines:Innen verteilten sich unter den vertrockneten Klimakrisenkastanien, filmten Engels mit 360°-Kameras und sprachen Kurzvideos ein. Der deutsche Reiseleiter trug eine Mütze aus olivgrünem Drillich mit rotem Stern auf der Stirn. Hin und wieder reckte er für Fotos die rechte Faust Richtung Engels' Bart.
"Glaubst du an die kommunistische Partei?"
Ein junger Mann mit Dolce & Gabbana T-Shirt kam auf mich zu, zückte sein Handy, sprach hinein und zeigte mir das Display. Unter einem chinesischen Text stand die deutsche Übersetzung: "Glaubst du an die kommunistische Partei?" Ich sagte: "Ich glaube an Marx und Engels. An Parteien glaube ich nicht." Er schaute etwas besorgt, da beruhigte ich ihn: "Keine Sorge, ich bin einer der letzten deutschen Kommunisten." Er schaute erleichtert. Ich fragte ihn, ob er denn an die kommunistische Partei glaube. "Oh ja!", sagte er. "Die meisten von uns sind in der kommunistischen Partei."
Wir plauderten angeregt, wie wir Kommunisten das gern am Fuße von chinesischen Engels-Statuen zu tun pflegen. Er sagte: "Du kannst mich Mak nennen. Alles andere wäre zu kompliziert."
Eine junge Frau näherte sich, und auch wir schlossen gleich internationale Freundschaft. In der Ferne quietschte die Schwebebahn. Mak reichte mir ein Heft und fragte mich via KI, ob ich ihm einen Wunsch reinschreiben könne. "Klar", sagte ich und schrieb ein paar Zeilen. "Kannst Du sie vorlesen?" fragte er mich. "Sicher." "Darf ich Dich dabei filmen?" "Nur zu!"
Er zog eine 360°-Kamera aus seinem Rucksack und filmte, während ich im Kernschatten von Engels in Richtung Hobos & Klimakrisenkastanie deklamierte: "Bleibt auf ewig so freundlich, offen und nett, wie ich Euch kennenlernen durfte. Es war schön mit Euch. Habt noch eine gute Zeit. Hoch lebe die deutsch-chinesische Freundschaft!"
Zum Abschied schenkte Mak mir eine Seidenquaste in leuchtendem Orange.